NRZ, 18.06.2020

Allerdings muss die HSG Wesel nicht nur wegen Corona in den kommenden Wochen mit einigen Unwägbarkeiten leben. Vorerst geht es viel in den Sand.

So allmählich nehmen die Dinge wieder Fahrt auf: Auch wenn der Weg zurück zur Normalität noch lang sein wird, sind die Verbandsliga-Handballer der HSG Wesel ungeachtet der noch immer andauernden Corona-Krise bereits in der vergangenen Woche in die Saisonvorbereitung gestartet. Allerdings unter erschwerten Bedingungen, zumal auch die Trainingshalle vorerst nicht zur Verfügung stehen kann. ‟Wir haben uns bislang auf Laufeinheiten und ein wenig Krafttraining beschränkt„, sagt Jan Mittelsdorf. ‟Und das Ganze natürlich unter Berücksichtigung der dafür vorgeschriebenen Abstandsregelungen.„

Dem Trainer und den Spielern der HSG — das spürt man deutlich — ist das zu viel Bürokratie und zu wenig Handball. Der Verein hat die geltenden Auflagen an das Team weitergegeben, nun gilt es, bei jedem Training Namenslisten zu führen, Desinfektionsmittel bereit zu halten und vieles mehr. Der ganz normale Corona-Wahnsinn eben. ‟Das alles macht echt nicht so viel Spaß, aber es ist schön, das wir uns nach dieser langen Zeit endlich wiedersehen„, sagt Mittelsdorf, der aber zugleich einschränkt: ‟Unter Handball stellt man sich natürlich etwas anderes vor.„

Erste Partie soll am 8. September gegen Königshof stattfinden

Vorerst aber müssen sich die Weseler Ballwerfer mit der unbefriedigenden Situation arrangieren. Zugleich aber dürfen sie jenen Fixpunkt nicht aus den Augen verlieren, den der Saisonstart am 8. September mit dem Heimspiel gegen Adler Königshof darstellt. So jedenfalls plant der Verband in der Hoffnung, dass keine zweite Infektionswelle dazwischen grätscht. Erst Ende Juli, wenn die Renovierungsarbeiten an der Sporthalle, wo ein neuer Boden verlegt wird und neue Tribünen entstehen, abgeschlossen sein werden, darf die HSG endlich wieder richtig Handball spielen. ‟Bis dahin„, sagt der Trainer, ‟bringen wir unsere Beach-Anlage wieder in Schwung und werden dort ein paar Einheiten im Sand absolvieren. Das ist zwar nicht Halle und ohne Harz, aber damit haben wir einigen Konkurrenten etwas voraus.„

Glenk und Erdmann kommen aus Xanten

Darüber hinaus steht der Vorbereitungsplan der Handballer schon recht detailliert. Mit einem Testspiel beim TV Angermund beginnt am 1. August die Serie der Vorbereitungsbegegnungen, um sich für den knackigen Wettbewerb in der Verbandsliga einzuspielen. Viele weitere Matches sind zumindest lose vereinbart. ‟In der Theorie haben wir das alles perfekt durchgeplant„, so Mittelsdorf. ‟Nun müssen wir ganz einfach abwarten, ob die Landesregierung uns das alles machen lässt.„ Da schwingt offensichtlich ein gerüttelt Maß an Skepsis mit, was allerdings auch nicht verwundert, weil sich, so der Coach, ‟die Vorschriften täglich ändern„.

Immerhin weiß er schon längere Zeit ziemlich genau, welche Spieler ihm für die neue Saison zur Verfügung stehen werden. Die HSG Wesel konnte bereits im März erste Verpflichtungen vermelden. Ab Sommer werden Noah Glenk und Marco Erdmann das Team des Verbandsligisten verstärken. Beide kommen vom Bezirksliga-Tabellenführer TuS Xanten. Glenk ist 18 Jahre alt und spielt auf der Linksaußenposition, Erdmann, 25 Jahre alt, spielt am Kreis. Zudem stellte Michael Steffens aus privaten Gründen seinen Posten als Co-Trainer zur Verfügung. Mittelsdorf wird künftig mit Michael Hillig Steffens Nachfolger an seiner Seite haben. ‟Mit seinem Wissen und seiner Kenntnis wird er uns ganz sicher weiterhelfen„, sagt er.

Rotte und Agorku treten kürzer

Aus all diesen Vorgaben ergibt sich als Ziel, den siebten Rang der Vorsaison, den Mittelsdorf als ‟Mega-Ergebnis„ bezeichnet, mindestens zu wiederholen. Allerdings muss noch eine weitere Baustelle beseitigt werden, weil neben den erwarteten Abgängen von Justin Rotte und Timothy Agorku, die beide aus beruflichen Gründen kürzer treten wollen, auch Fabian Hoffmann den Verein verlassen und zur MTV Rheinwacht Dinslaken wechseln wird. Noch im März habe der Rückraumspieler bei der HSG zugesagt. ‟So etwas macht man nicht, das ist keine Art„, so Mittelsdorf, der sich noch einmal zum Handeln gezwungen sieht, aber auch um die Schwierigkeiten weiß. ‟Wenn irgendjemand auftaucht, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der zu uns will, werden wir noch einmal zuschlagen„, sagt er und nimmt die Herausforderung mit einer großen Portion Galgenhumor.