Presse, NRZ 11.11.2020

Die Verbände vom Nieder- und Mittelrhein haben entschieden, den Spielbetrieb auch im Dezember auszusetzen. So reagieren die Klubs.

Eine Überraschung ist das nicht mehr. Die Handballer werden ihre Saison in diesem Jahr nicht mehr fortsetzen. Lange hatte der Handballverband Niederrhein (HVN) in Abstimmung mit dem Handballverband Mittelrhein (HVM) in den vergangenen Tagen beratschlag, um zu dieser, von vielen Handballern als unumgänglich empfundenen Entscheidung, zu kommen. Der neue Stichtag für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs liegt im nun Januar, aber auch eine längere Pause ist möglich.

Vor gerade einmal drei Wochen hoffte Ernst Wittgens, der Präsident des HVN noch darauf, dass die Corona-Infektionszahlen es zulassen, dass die Spiele in den Handballligen der Region weiterhin ausgetragen werden können. Kurz darauf galt der 15. November als neuer Stichtag, ehe die Bundes- und die Landesregierung dem einen Riegel vorschoben. Bis mindestens Ende November ist ohnehin jeglicher Kontaktsport verboten. Nun hat sich der HVN gemeinsam mit dem HVM, mit dem er die Regionalliga Nordrhein organisiert, auf die Pause über den Jahreswechsel hinaus verständigt. „In dieser schwierigen Situation ist der HVN bestrebt, nachvollziehbare als auch belastbare Entscheidungen zu treffen. Wir müssen – um die Worte der Bundesregierung zu nutzen – aber auch auf Sicht fahren und Entscheidungen an die Entwicklung der Pandemie anpassen“, so der Verband.

Michael Hillig, Geschäftsführer der HSG Wesel, überrascht die Entscheidung nicht. „Natürlich haben wir damit gerechnet. Man muss ja realistisch sein. Selbst wenn es am 1. Dezember Lockerungen geben würde, dann ist ja nicht gesagt, dass Kontaktsport wieder erlaubt ist. Und aus der kalten Hose wieder in den Spielbetrieb zurückzukehren, ist sowieso nicht machbar“, sagt Hillig, der, wie er selbst zugibt, schon mit einer gehörigen Portion Skepsis in die Saison gestartet ist. „Ich hatte von Anfang an damit gerechnet, dass die Saison nicht ohne Weiteres gespielt werden kann.“

Sollte auch im Dezember kein Trainingsbetrieb stattfinden können, behält sich der Verband vor, die Unterbrechung weiter auszudehnen. Zeitnah sollen die Spielwarte des Verbandes, der Kreise und die Jugendvertreter in Abstimmung mit dem Präsidium über die weiteren Schritte beraten, die nach der nun verlängerten Pause zu gehen sind.

Spiele im Dezember sind nicht völlig ausgeschlossen

Interessant hierbei: Sollte im Dezember doch wieder Kontaktsport zugelassen werden, können Vereine, die in der Zeit Nachholspiele oder Trainingsspiele abhalten wollen, auf den HVN zukommen, um für diese Spiele eine offizielle Ansetzung zu erhalten. Nachgeholt werden sollen jedoch nur Spiele, die an den ursprünglichen Spieltagen bis zur Unterbrechung am 22. Oktober angesetzt waren.

Michael Hillig winkt bei diesem Vorschlag gleich ab. Zwar stehen noch zwei Nachholspiele für die HSG-Herren aus, doch Hillig weiß: „Wir haben jetzt vier Wochen nichts gemacht und ich denke, wir bräuchten ohnehin auch vier Wochen Vorlaufzeit. Aber wir sprechen ja sowieso im Konjunktiv: könnte, hätte, wenn. Ich glaube, der Verband bleibt da seiner Linie treu und entscheidet nach Tagesgeschehen.“

Auch Tobias Weidemann, Trainer von BW Dingden in der Bezirksliga der Frauen, würde im Fall der Fälle auf Testspiele verzichten wollen, wenngleich er sich vorstellen könnte, dass es Anfragen geben könnte. „Wir hatten vor dem Lockdown zwei Anfragen für Spiele in den Herbstferien, auch die hatten wir schon abgesagt. Anders wäre es bei Meisterschaftsspielen, die sind ein notwendiges Übel, aber sonst muss man das Risiko nicht eingehen“, sagt Weidemann, dessen Team nach fünf absolvierten Partien noch ungeschlagen ist.

Lob an den Verband

Die Entscheidung des Verbandes lobt der BWD-Coach, gleichzeitig zeigt er sich verwundert über die Vorgehensweise auf Kreisebene: „Ich finde es gut, dass speziell der HVN, die Entscheidungen zu einem sehr frühen Zeitpunkt getroffen hat. Allerdings wundere ich mich über den Handballkreis Wesel. Da wurden die Durchführungsbestimmungen geändert und in der dritten Version steht nun nichts mehr darüber, wie die Saison im Falle eines Abbruchs gewertet wird. Ich frage mich, wie sie das machen wollen. Eine Saison mit einem regulären Spielbetrieb ist doch zum jetzigen Zeitpunkt utopisch.“

Englische Wochen, die bei einer noch späteren Wiederaufnahme des Spielbetriebs womöglich drohen würden, lehnt Weidemann ab. „In den unteren Ligen ist das nicht machbar. Ich würde unter der Woche keine Mannschaft zusammen bekommen. Vielleicht wird dann nur eine Hinrunde gespielt. Wenn alle einmal gegeneinander gespielt haben, dann ist es auch fair.“

Lars Cox, Trainer des ebenfalls noch ungeschlagenen SV Schermbeck in der Bezirksliga der Männer, kann sich gleich mehrere Szenarien für den weiteren Saisonverlauf vorstellen. „Möglich wäre es, die Saison nach hinten zu verlängern. Da wäre vor den Sommerferien noch ein Stück weit Zeit. Vielleicht wird aber auch nur eine Vorrunde gespielt. Da muss man dann schauen, wie die Auf- und Abstiegsregelung ist. Für die Vereine hängt viel davon ab.“

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