Presse, RP 11.12.2020

Niederrhein Der Handball-Verband Niederrhein stellt zwei Varianten für die Fortführung der Saison vor. Aber einen Trainingsstart in einem Monat kann sich kein Coach vorstellen. Das zweite Szenario geht von ersten Einheiten im Februar aus.

Der Handballverband Niederrhein (HVN) plant den Neustart nach dem Corona-Lockdown. Soweit es möglich ist. Zwei Varianten haben sich herauskristallisiert – beide beruhen auf der Hoffnung, dass noch im Laufe des Winters wieder trainiert und gespielt werden kann. „Die Spiele, die bisher ausgetragen wurden, werden gewertet, die Partien, die während des Lockdowns stattgefunden hätten, fallen aus und nur die Spiele, die vor dem 11. Oktober nicht gespielt werden konnten, werden nachgeholt. Dann soll es mit dem normalen Spielplan weitergehen“, sagt HVN-Präsident Ernst Wittgens. Diese Regelungen würden zunächst nur für die Senioren gelten.

Und dafür gibt es zwei konkrete Modelle, bei denen am Ende jeweils mindestens 50 Prozent der Partien gespielt sein müssen, damit die Saison gewertet werden kann. Variante eins sieht vor, dass es Anfang Februar wieder los geht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Vereine ab dem 11. Januar wieder trainieren dürfen. Darauf haben sich Präsidium und Technische Kommission des HVN in einer Videokonferenz geeinigt. Sollte das Training zu diesem Zeitpunkt möglich sein, würde die Saison mit den für den 6./7. Februar 2021 angesetzten Spielen fortgesetzt werden.

Diese Gegner warten im Fall von Szenario zwei

Verbandsliga Bei der Variante zwei, die eine Fortsetzung der Spielzeit am Wochenende 13./14. März 2021 vorsieht, würden die Verbandsliga-Handballer der HSG Wesel mit einem Heimspiel gegen den TV Aldekerk II wieder in die Saison einsteigen. Für die meisten Verbandsliga-Konkurrenten stünden noch sieben Partien an, die HSG müsste sogar noch neun Spiele absolvieren – denn die Begegnungen in Lank und in eigener Halle gegen Kaldenkirchen müssten noch nachgeholt werden.

Bezirksliga In der Bezirksliga hätte der aktuelle Tabellenführer SV Schermbeck direkt das Spitzenspiel gegen die Zweitvertretung des TV Kapellen vor der Brust, während BW Dingden zum Moerser SC reisen müsste. Für die Dingdener Bezirksliga-Damen ginge es derweil zum Nachbarschaftsduell beim TV Voerde, der SV Schermbeck hätte MTV Rheinwacht Dinslaken II zu Gast in eigener Halle. Voraussetzung für dieses Szenarios ist allerdings, dass spätestens ab dem 15. Februar 2021 wieder ein umfangreicher und gesicherter Trainingsbetrieb möglich ist.

In Gruppen mit 14 Mannschaften sollen somit 17 Spieltage, in Staffeln mit 16 Teams 19 Spieltage stattfinden. Über den Auf-und Abstieg will der Verband dann mittels der Quotientenregelung entscheiden

Variante zwei soll dagegen in Kraft treten, wenn ein regulärer Trainingsbetrieb erst ab dem 15. Februar wieder möglich ist. Dann soll der Spielbetrieb am Wochenende 13./14. März wieder starten. Die Saison würde quasi an dem Punkt fortgesetzt, an dem sie im Oktober unterbrochen wurde. Nur, dass der Rückrundenspielplan greift. Jedes Team hätte am Ende der Saison einmal gegen jeden Kontrahenten gespielt. Anhand dieser Abschlusstabelle würden die Auf- und Absteiger ermittelt.

„Es würden einfach die Spiele in der Mitte wegfallen. Wir wollen an unserem Spielplan festhalten, damit Hallenzeiten nicht neu beantragt werden müssen“, sagt Wittgens. Dass bei Variante eins manche Teams gegen einige Mannschaften dann zwei Spiele bestritten hätten, und somit eine Ungleichheit der Gegnerstärke vorliegen könnte, „ist das Risiko, das wir in Kauf nehmen“, so Wittgens.

Überhaupt sei Variante eins die optimistisch geplante Lösung, die zweite Möglichkeit die realistischere. „Wir müssen die Entwicklung abwarten, wollen den Vereinen aber eine Möglichkeit schaffen, sobald es geht, wieder in den Spielbetrieb einzusteigen“, betont der Verbandspräsident. Damit, was passiert, falls auch Mitte Februar noch nicht ins Training eingestiegen werden kann, werde man sich beim HVN dann zu gegebener Zeit befassen. Eine vollständige Annullierung der Saison ist nicht ausgeschlossen. „Bisher sieht der Spielplan vor, dass die Saison im Mai endet. Wir werden alles dafür tun, dass die Saison gewertet werden kann. Sonst wird es kompliziert.“

Jan Mittelsdorf hat sich die auf der Homepage des HVN veröffentlichten Szenarien angesehen. „Ich habe eigentlich die Variante drei vermisst“, sagt der Trainer des Verbandsligisten HSG Wesel. Die müsste nach Meinung des 41-Jährigen so aussehen, dass der Verband eine Trainingsaufnahme bis zum 15. Februar als unrealistisch ansieht. „Dann kann es nur zu einem Abbruch der Saison ohne Wertung kommen“, so der Coach. Als „vollkommen utopisch“ bezeichnet Mittelsdorf die Annahme, mit den Übungseinheiten bereits am 11. Januar wieder beginnen zu können. Den Februar hält er da schon für etwas realistischer. Allerdings sieht er auch da etliche Probleme auf die Teams zukommen. „Ich wage zu bezweifeln, dass dann wirklich alle zum Training und zu den Spielen kommen“, sagt Mittelsdorf. Und dafür bringt er auch Verständnis auf: Denn wer in einem sensiblen Bereich arbeitet oder Menschen aus einer Risikogruppe im Umfeld hat, der wird sich kaum für den Sport einem Infektionsrisiko aussetzen.

Auf jeden Fall sollte der HVN „sensibel mit dem Thema umgehen und in keinster Weise den Spielbetrieb auf Biegen und Brechen wieder aufnehmen“. Letztlich sei es das Wichtigste, dass „wir alle mit einem blauen Auge davonkommen“. Dass die Verantwortlichen im Verband es nicht jedem recht machen können, ist Mittelsdorf auch klar.

Für den Geschäftsführer der HSG Wesel gehen beide Varianten an der aktuellen Entwicklung vorbei. „Bei den Infektionszahlen laufen wir doch gerade entgegengesetzt zu irgendwelchen Lockerungen. Aktuell halte ich deshalb einen Abbruch für sehr realistisch“, meint Michael Hillig. Und dann sollte die Spielzeit annulliert und im September 2021 wieder neu begonnen werden. „Schließlich kann man ja nicht werten, wenn Teams teilweise bisher erst vier Spiele absolviert haben.“ Genau auf diese Zahl kommt übrigens die HSG Wesel.

Einer Fortsetzung der Spielzeit steht auch Lars Cox sehr kritisch entgegen. „Ich würde mich freuen, glaube aber nicht, dass die Saison wie auch immer fortgeführt werden kann“, sagt der Trainer des Bezirksliga-Spitzenreiters SV Schermbeck. Dass er seine Schützlinge im Januar wiedersieht, ist für den Coach unvorstellbar.

„Die sollen die Saison einfach abbrechen“, sagt Tobias Weidemann in aller Deutlichkeit. Der Trainer der Bezirksliga-Frauen von BW Dingden nennt die Variante eins „utopisch. Die realistische Abbruch-Variante, die wollen sie wohl nicht wahr haben.“ Andreas Maile sagt derweil: „Wir wollen spielen. Wie genau die Modalitäten sind, ist für mich zweitrangig“, so der Coach der Bezirksliga-Handballerinnen des SV Schermbeck. Allerdings hält auch er eine Wiederaufnahme des Trainings schon im Januar für unrealistisch.