Presse, NRZ 2.2.2017

Zum Derby in der Handball-Oberliga erwartet die HSG Wesel am Freitagabend den MTV Dinslaken. Das Hinspiel ist bei vielen noch in den Köpfen.
Vor etwas mehr als vier Monaten war die Ausgangslage klar: Handball-Oberligist HSG Wesel reiste mit der Hypothek einer 16:29-Heimklatsche gegen Angermund als krasser Außenseiter zum MTV Rheinwacht Dinslaken – und gewann mit 25:17. Am Freitagabend um 20.15 Uhr steigt in der Halle Nord das Rückspiel mit ganz anderen Vorzeichen. „Damals haben die Dinslakener uns vielleicht ein bisschen unterschätzt, das wird diesmal sicherlich nicht der Fall sein“, sagt HSG-Trainer Sven Esser. Er sieht seine auf Platz sieben liegende Truppe auf Augenhöhe mit dem Tabellendritten. „Wir gehen selbstbewusst in die Partie und wissen, dass wir den MTV schlagen können.“

Und das Nachbarschaftsduell birgt einiges an Brisanz. Neben der räumlichen Nähe der beiden Kontrahenten und dem Hinrunden-Ergebnis kommt noch hinzu, dass sich viele Akteure aus gemeinsamen Hiesfelder oder Dinslakener Zeiten kennen. Auch Sven Esser besitzt eine MTV-Vergangenheit, hat in der Jugend für Dinslaken gespielt. „Für viele Spieler ist das Derby etwas Besonderes. Man kennt sich unfassbar gut“, meint der HSG-Trainer.

Lokalderby besitzt für Sven Esser Pokal-Charakter

Außerdem hofft Esser auf eine gut besuchte Halle Nord. Lokalderby-Atmosphäre wie in der Hinrunde wünscht er sich. Die Partie selbst besitzt für ihn eher Pokal-Charakter. „Gerade solche Spiele haben ihre eigenen Gesetze“, sagt Sven Esser. Da spielt dann auch keine Rolle, dass die HSG Wesel zuletzt mit den Niederlagen in Lintorf und in Angermund ein wenig schwächelte. Überraschende taktische Finessen erwartet der Übungsleiter auch nicht. „Wir wissen viel über den Gegner, genauso wie er über uns. Da wird ausgerechnet im Derby wohl niemand etwas ausprobieren.“

Bei seinem Team fordert Esser eine Steigerung in der Abwehr, die besonders in Lintorf und auch davor beim 31:30 gegen Lobberich doch einige ungewohnte Lücken offenbarte. Gerade gegen den starken Rückraum des MTV muss die HSG in der Defensive zulegen. „Das wird eine enge Kiste, in der Kleinigkeiten den Ausschlag geben“, so Sven Esser.

Kaum Hoffnung auf einen Einsatz von Niklas Weghaus

Etwas mehr als eine Kleinigkeit könnte sich aus der personellen Situation bei den Weselern entwickeln. Mit Richard Kalus (Mittelfußbruch) und Marius Hünting, der sich in der kommenden Woche einer Kreuzband-Operation unterzieht, fallen zwei Torhüter aus. Es bleibt nur noch Adrian Schnier übrig, der noch an den Folgen eines grippalen Infekts leidet. „Er wird aber spielen, dazu kenne ich ihn lange genug“, sagt Sven Esser zuversichtlich. Weniger optimistisch fällt seine Prognose bei Niklas Weghaus aus, den es ebenfalls erwischt hat. „Das wird wohl kaum klappen“, befürchtet der Coach. Der Einsatz von Phillipp Müngersdorf steht wegen Rückenbeschwerden auch noch auf der Kippe. Aus beruflichen Gründen muss Tobias Hermann passen.

Neben den eigenen Derby-Gesetzen sieht Sven Esser auch den Freitag-Termin als etwas Besonderes an. Denn bevor es losgeht, liegt hinter den Akteuren ein normaler Tag an der Uni oder im Job. Da ist die Tagesform von großer Bedeutung.

>>„WERDEN WESEL NICHT UNTERSCHÄTZEN“

MTV-Trainer Harald Jakobs ist gewarnt. „Wir werden den Fehler nicht noch einmal machen und Wesel unterschätzen.“ Ihm fehlen der Langzeitverletzte Nils Kruse und Florian Körner (privat verhindert). Maximilian Reede, Jonas Ahls und Jonas Höffner sind angeschlagen, sie konnten unter der Woche nicht trainieren.